„Onkel, ich muss dir etwas erzählen.“, rief Mariah aus dem hinteren Teil des Gebäudes.

„Komm nur näher. Deine Ideen waren bis jetzt immer brillant. Und meine Kunden dürfte das auch interessieren.“

Die Männer hörten klappernde Absätze, als sie mit schnellen Schritten herangeeilt kam.

Mariah schritt eilig auf ihren Onkel zu, den Geldhai Mr Sam Ainu; er hatte exotische Wurzeln und neigt des Öfteren zu Jähzornigkeit. Sie gab ihm ein Küsschen auf die Wange und fing an zu erzählen.

„Es geht um Karl.“

Sam richtete sich sofort auf, seine Augen fingen unheilvoll an zu blitzen und er holte seine Pistole hervor. Doch Mariah machte das nicht nervös, denn er hantierte dauernd mit dem Ding herum, wenn er aufgebracht war.

„Mir ist letzte Nacht wieder eingefallen, was er mal zu mir gesagt hatte. Er hatte es als Scherz gemeint, aber es könnte uns weiterhelfen. Damals sagte er zu mir, wenn er mal nicht erfolgreich sein sollte, dann würde er seinen Tod vortäuschen, Geld stehlen, seinen Namen ändern und sich einen Sponsor kaufen. Dann würde er von vorne anfangen, mit viel Geld, einem neuen Ansehen und neuen beruflichen Aussichten. Ich habe mich mal bei der Polizei eingehackt und auch den Namen gefunden, den er benutzen sollte. Tarh Tackel. Er ist dort registriert, weil er einen Verwandten vermisst, der bei Paddington ums Leben kam. Das könnte er sein.“

Mr Ainu steckte seine Knarre weg und schaute auf sie hinunter. Dann ergriff er ihr Kinn und hob es hoch, damit sie ihn ansehen musste. „Bist du dir da auch ganz sicher?“ Sein Akzent schnurrte richtig, als er ihr diese scheinbar banale Frage stellte.

Ihre Augen blitzten ihn an, da sie ihn sehr wohl verstand.

„Onkel, ich stehe auf deiner Seite. Karl hat mich geschlagen, er ließ mich mit Schulden zurück. Denkst du etwa, das verzeihe ich ihm? Nein, ganz sicher nicht.“ Sie wand ihr Kinn aus seinem Griff und schaute ihn leicht überheblich an, was er überhaupt nicht mochte. Doch sie hatte ihre Gründe.

„Und außerdem arbeite ich jetzt in deiner Buchhaltung. Ist dir nicht aufgefallen, dass dir noch immer 4 Millionen Pfund fehlen? Oder hast du das schon vergessen? Damals wusste er noch nicht, dass wir miteinander verwandt sind. Jetzt schon!!“

Sein Gesicht verfärbte sich, als sie ihn daran erinnerte. Er hatte es tatsächlich vergessen. „Dieser Hurensohn!!!“ Er fuchtelte schon wieder mit seiner Knarre rum und schoss vor Wut ein Loch in einen Eimer.

Dann drehte er sich um und funkelte seine Männer an. „Macht ihn ausfindig. Wenn ihr ihn gefunden habt, bringt ihn her. Er soll leiden.“

Wieder drehte er sich zu seiner Nichte um, die schon immer leicht kriminelle Nuancen in sich trug. „Du rufst wieder die Polizei an und gibst ihnen diese Info anonym. Die sollten ihn dann aufgreifen können.“

„In Ordnung, Onkel.“ Sie verschwand wieder mit klappernden Absätzen.

Er schaute hinter ihr her, ein weiches Lächeln in seinen Mundwinkeln. Sam gab ein Handzeichen und auf einmal tauchte ein riesiger Schatten hinter ihm auf.

„Folge ihr! Pass auf sie auf! Verstanden? Sie ist mein Ein und Alles.“

„Alles klar, Chef!“