Urlaub bedeutet, dass man sich erholen kann.

Urlaub bedeutet, dass man keinen Stress hat.

Urlaub bedeutet, dass man Spaß hat.

Die folgende Geschichte, eine wahre Geschichte, zeigt, dass es aber auch anders gehen kann. Lassen Sie sich in die kubanischen Geheimnisse entführen und ergötzen Sie sich an den Geschehnissen von Mr und Mrs S.

 

Die Hinreise war ein Traum. Es gab keine Komplikationen beim Einchecken, das Gepäck war nicht verschwunden und das Flugzeug nicht abgestürzt. Auch wenn der Flug kein Ende nehmen wollte, jetzt waren sie endlich da und wurden von der kubanischen Sonne empfangen.

"Oh Mann, ich könnte jetzt schon wieder umdrehen. Das ist ja eine Hitze hier." Sie waren noch gar nicht aus dem Flughafen raus, da meckerte auch schon ihr Mann herum.

"Ist doch klar, hier ist doch auch schon Sommer. das hast du aber vorher gewusst. Und jetzt komm, wir verpassen das Taxi." Karina war schon immer sehr energisch und jetzt nervte es ihn total. Er verzog eine Miene, aber er kam. Schwitzend, triefend, die Koffer am Leib klebend.

"Wozu gibt es eigentlich Kofferträger? Warum hilfst du nicht mit?"

"Erstens wollen die Trinkgeld haben und zweitens sind das deine Klamotten. Meine passen in dieses kleine Köfferchen." Sie hielt ihr Täschchen in die Höhe und grinste ihn an.

Er murrte immer noch vor sich hin, aber fügte sich den Lauen seiner Frau. Diese war schon ins Taxi gestiegen und überließ es den Männern, die Koffer zu verstauen. Und das war gar nicht so einfach.

Havanna war nicht so, wie man sich so sagte. Die Hauptstraßen waren hervorragend, genauso wie die Hotelanlagen. Aber schaute man mal hinter die Fassaden oder kam vom Wege ab, dann sah man erst die Armut, die hier herrschte.

Mr und Mrs S. ließen sich die Reise trotzdem nicht vermiesen und genossen die Fahrt. Sie war ohnegleichen, die Landschaft, die Menschen, das ganze Klima und Umfeld. Einfach traumhaft.

Und endlich waren sie beim Hotel angekommen. Es war ein 3-Sterne-Hotel, denn mehr hatten sie sich nicht leisten können. Aber es war trotzdem eine tolle Anlage. Dreistöckig, mit Balkon ringsherum, Palmen an den Außenfassaden und einem riesigen Pool, obwohl der Strand nur zweihundert Meter entfernt war.

Die beiden hatten kaum Zeit, sich alles anzusehen, da wurden sie auch schon ins Hotel geführt. Das Einchecken war ja noch einfach. Man sagte nur seinen Namen und sie antworteten in einem Kauderwelch von Spanisch und Englisch. Zum Glück hatte Mrs S. etwas Spanisch bei ihrem Arbeitskollegen gelernt und konnte sich ein wenig mit ihnen verständigen. Ihr Mann stand nur an ihrer Seite und machte einen verdatterten Eindruck. Wahrscheinlich war er einfach nur froh, dass er sich in den nächsten zehn Minuten in eine Liege werfen konnte.

Als sie endlich den Schlüssel hatten, konnte sie mal sehen, wie schnell ihr Mann sein konnte. Sie spürte nur noch einen Luftzug und schon war er weg. Hubert schnappte sich seine luftigeren Sachen und verschwand mit einem kühlen Drink von der Bar an den Pool.

Er ließ sich schon die Sonne auf den Bauch brennen, als dann auch endlich Karina nach unten kam, in einem farbenfrohen Bikini.

 

Der nächste Tag wurde noch zum Ausruhen genutzt, denn sie waren noch völlig fertig und hatten einen Jetlag. Und auch die Temperaturen machten ihnen ein bisschen zu schaffen. Aber sie gewöhnten sich langsam daran. Nachdem sie es bis zum Mittag ausgehalten hatten, flüchteten sie sich an die Bar, um sich ein paar kühle Drinks zu gönnen und ein Eis zu schlecken.

Und doch hatten sie schon mitbekommen, dass ein paar Hotelbesucher zu dem anderen Hotel nebenan schlenderten und erst eine Weile später wiederkamen. Man sah, dass die Besucher des anderen Hotels auch keine Bändchen an ihren Handgelenken trugen, die signalisierten, zu welchem Hotel sie gehörten.

Das Paar schlenderte durch Havanna und beachteten die Warnungen ihres Reisebegleiters. Sie blieben immer in der Nähe der Hotelanlage und auf den Hauptstraßen. Hubert und Karina waren erschüttert, über dass, was sie sahen. Kinder, die im Dreck spielten, Frauen, die ihr Essen auf den Straßen zubereiteten und die eine oder andere, und völlig legale, wie aussieht, Schlägerei. Aber für die Kubaner schien dass das normale Leben zu sein.

Kurz vor dem Abendessen kamen sie wieder zurück und machten sich frisch. Und dann taten sie einfach das Gleiche, wie das Pärchen, das sie heute früh beobachtet hatten. Denn das Hotel an sich war einfach perfekt, aber beim anderen schmeckte das Essen besser. Und da sie auch kein Bändchen trugen, konnten sie ein kulinarisches Essen genießen, das es in sich hatte.

 

Die nächsten Tage wurden sehr ereignisreich. Sie konnten erst im Nachhinein begreifen, was sie alles erlebt hatten. Da war unter anderem eine Jeeptour quer durch die Wüste. Es war einfach atemberaubend, zumal die beiden so etwas noch nie erlebt hatten und auch nie mit einem Jeep dieser Art unterwegs gewesen waren. Aber am tollsten waren die holprigen Straßen, über die es ging, um die Fahrt noch etwas adrenalinsteigernder zu gestalten. Es ging quer durch den Sand, ohne einen Hinweis von einer Straße, der man hätte folgen können. Die Leute dürften sie dort nicht absetzen; sie würden jämmerlich zugrunde gehen. Hier waren sie jenseits einer Zivilisation. Und doch war es ein Abenteuer, das sie um keinen Preis missen wollten. Allerdings konnten sie bei dieser rasanten Tour keine Tiere ausmachen, es gab nur Palmen und Kakteen. In der Nähe war das Meer, auf das sie zusteuerten, um ihnen die Möglichkeit einer Erfrischung zu bieten.

Als nächstes stand eine Bustour quer durch Havanna an, um das Klassen- und vor allem das Sozialsystem besser kennenzulernen. Sie wurden von den Reiseleitern darauf hingewiesen, ihnen kein Essen und kein Geld zu geben, denn dann würden ernsthaften Schwierigkeiten stecken. Und seltsamerweise waren Schulhefte und Schreibutensilien viel lieber angesehen. Man nahm es hin, da sie wussten, dass sie daran eh' nichts ändern konnten. Also genossen sie die Tour, soweit es ging.

Und wie jeden Abend schlichen sie sich auch heute wieder ins andere Hotel, ohne dass es jemand bemerkt hätte.

 

"Schnell Hubert, aufstehen, heute müssen wir packen. Ist unser letzter Tag und wir müssen uns noch von allen verabschieden." Karina lief in ihrem Zimmer aufgeregt auf und ab.

Er runzelte die Stirn. "Aber Karina, wir haben doch noch einen Tag. Wir reisen erst morgen ab."

"Quatsch, wir sind vor einer Woche hier angekommen und heute ist unser Abreisetag. Also los, aufstehen. Hopp, hopp!" Sie klatschte sogar in die Hände, als würde sie Hühner aufscheuchen wollen.

Egal, welches Argument Mr S. noch vorbringen konnte, sie wurden rigoros verdrängt. Oder sie ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen. Für sie war heute der Abreisetag und damit hatte es sich.

Hubert konnte nur noch resigniert mit dem Kopf schütteln und nach unten gehen, um die Rechnungen zu begleichen. Als sie ihm nicht glauben wollten, musste er doch noch seine Frau dazurufen und sie konnte ihnen begreiflich machen, dass sie heute Abend fliegen mussten. Und da half auch kein: "no, no, today don't fly". Karina flog heute Abend nach Hause.

Sie packten zu Ende, hatten schon bezahlt und sich von ihren Freunden verabschiedet. Das Taxi kam, es war der gleiche Fahrer, der sie hergebracht hatte, und holte sie ab. Sie fuhren zu dem Flughafen und waren doch etwas perplex, als sie sahen, dass er vollkommen dunkel war. Sie stiegen aus und schauten sich seltsam an.

"Ich hab dir doch gesagt, dass wir zu zeitig sind. Wir fliegen erst morgen!"

"Quatsch, die haben uns bestimmt vergessen ..."

"Denkst du, wir haben eine eigene Maschine?", wollte Hubert genervt wissen.

"Das nicht, aber vielleicht machen sie noch auf.", gab sie genauso genervt zurück.

"Gib doch einfach zu, dass wir einen Tag zu zeitig sind. Dann haben wir das Gestreite hinter uns und ich kann noch ein paar Stunden schlafen." Er hatte schon fast einen bittenden Gesichtsausdruck.

Sie verzog eine Miene, aber schließlich musste sie zugeben, dass sie sich geirrt hatte. "Vielleicht habt ihr ja recht.", gab sie kleinlaut zu, und damit meinte sie auch den Fahrer. Denn auch er war sich mehr als sicher, dass heute keine Flieger gingen.

 

Und so stiegen sie wieder ein und fuhren ins Hotel zurück. Der Fahrer stieg mit aus und erklärte der Rezeption, was geschehen war. Man konnte das Gelächter bis ins Dachgeschoss hören.

Als sie in ihr altes Zimmer kamen, mussten sie feststellen, dass schon alles weg war, was sie da gelassen hatte. Und zwar alle Hygieneartikel.

"Klasse, einwandfrei. Und mit was dusche ich jetzt? Muss ich jetzt dieses stinkende Zeug nehmen? Das riecht total penetrant.", nörgelte Hubert herum.

"Einen Tag wirst du es wohl überleben. Herrgott nochmal!" Sie warf die Hände in den Himmel und marschierte aus dem Zimmer. Sie regelte das Abendessen und kam wieder zurück.

"Aber es hat einen Vorteil. Wir müssen nicht mehr packen." Für diesen Spruch erntete sie einen bitterbösen Blick. Sie brauchte heute nichts mehr zu sagen.

Sie schliefen sogar in getrennten Betten. Hubert schnarchte vor sich hin und ließ sich am nächsten Tag von seinem Wecker wecken. Karina durfte noch immer nichts sagen. Auch nicht für die Dauer des Fluges.